4. Dezember 2016

Amor Simplex und Bellame als eBooks


Es ist jetzt ziemlich genau zehn Jahre her, dass ich die letzten Arbeiten an meinem ersten Roman „Amor Simplex“ abgeschlossen habe. Vor einiger Zeit habe ich das Buch als Papierbuch „vom Markt genommen“ und die Veröffentlichung als eBook vorbereitet. Diese Vorbereitungen sind jetzt abgeschlossen. „Amor Simplex“ erscheint in wenigen Tagen bei Amazon und und etwas später bei Thalia als eBook.

Es gibt eine nicht unwesentliche Neuerung. Amor Simplex wurde um ein neues, ein 13. Kapitel ergänzt – exklusiv nur für die Käufer des eBooks zugänglich. Käufer des eBooks finden im Impressum des Buches (in der Regel die erste Seite nach dem Cover) einen Zugangscode, den sie hier eingeben können. Das 13. Kapitel existiert nicht in geschriebener Form, sondern wurde von mir eingelesen. Das sind quasi die ersten Vertonungen dieses Romans – ich plane ja schon länger, das gesamte Buch auch als Hörbuch zu produzieren. Das Equipment für gute Aufnahmen habe ich, aber ich könnte mich manchmal für meine eigene Schreibweise in den Arsch beißen. Manche meiner Sätze sind echt anstrengend und wenn man dann eine Passage zum zehnten oder elften Mal einliest, dann kann das sehr nervig sein. Aber ich werde mich auch an diese Arbeit machen – irgendwann im Laufe des kommenden Jahres.


Hörbuch Produktion
Dorfpoet at work


Wenn ich dieses erste richtige Buch von mir so aus der zeitlichen Distanz betrachte – wenn ich so manche Passage lese deren Intention mir nicht mehr geläufig ist – dann erfüllt mich das mit Stolz. Das ist ein Text, den ich auch heute noch genauso schreiben würde oder zumindest heute nicht besser schreiben könnte. Und die Reaktionen auf dieses Buch damals haben mir ganz klar gezeigt, wie sehr der Eindruck eines Lesers davon abhängt, ob man den Autor persönlich kennt. Viele haben die ersten beiden Kapitel gelesen und sich gedacht, der Peter hat eine Liebesgeschichte geschrieben. Romantischer Kitsch war der erste Eindruck und das Buch wurde gar nicht zu Ende gelesen. Dabei geht es nicht um eine Liebesgeschichte und der Kitsch ist nur Mittel zum Zweck. Amor Simplex ist das pränatale Psychogramm eines Diktators, eine Beschreibung einer invertierten, geradezu pervertierten Form der Sublimation.

Neben „Amor Simplex“ habe ich auch „Bellame“, meine Kurzgeschichtensammlung, als eBook bei Amazon wiederveröffentlicht. Zu „Bellame“ wird es auch noch Extras geben, vermutlich eine weitere vorgelesene Geschichte aus der Sammlung. Die Micro-Sites zu den einzelnen Büchern sind verschwunden. Alles Infos zu meinen Büchern gibt es hier auf meiner Seite -> einfach im Menu auf Bücher klicken und dann auf die einzelnen Titel oder die Cover.

Zu Weihnachten werden beide Bücher käuflich zu erwerben sein - wer also zu Weihnachten einen eBook Reader erhält weiß schon jetzt, womit er gefüttert werden kann.

27. November 2016

Herzzeit

Ich hatte es in meinem Post zu meinen Urlaubsvorbereitungen schon erwähnt. In meinen Best-Of Ranglisten der schönsten Bücher, insbesondere im Bereich Zeitgeschichte, gibt es einen neuen Favoriten. Bisher war der Briefwechsel zwischen Franz Kafka und seiner Geliebten Felice und der Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und ihrem Verlobten Fritz Hartnagel ganz oben in meiner Liste.

Ein Buch, dass schon vor einigen Jahren erschienen ist, aber jetzt erst von mir wahrgenommen wurde, hat diese beiden Bücher von den ersten Plätzen verdrängt. Denn was kann schon anderes als Weltliteratur herauskommen, wenn die bedeutendste deutschsprachige Lyrikerin der Nachkriegszeit mit einem der wichtigsten deutschsprachigen Lyriker (männlich) nicht nur einen poetisch-intellektuellen Briefwechsel hat, sondern darüber hinaus auch eine Liebesbeziehung. Gemeint sind Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Ingeborg Bachmann ist vermutlich jedem ein Begriff – geboren 1926 in Klagenfurt, gestorben 1973 in Rom unter tragischen Umständen.

Paul Celan wird im Deutschunterricht vor allem wegen einem Gedicht herangezogen: Die Todesfuge. Dieses Gedicht war die passende Antwort auf das Diktum von Theodor Adorno, der gesagt hatte, nach Ausschwitz könne man keine Gedichte mehr schreiben, da ein Gedicht an sich Ästhetik verkörpert und es keine Form von Literatur gäbe, welche dem Grauen von Auschwitz gerecht werden könnte. Paul Celan hat dies mit der Todesfuge wiederlegt. Allerdings sollte man Paul Celan nicht nur auf dieses eine Gedicht reduzieren. Sein lyrisches Werk ist weit umfangreicher und in seinem Stil absolut unverkennbar.

Die Liebesbeziehung zwischen Paul Celan und Ingeborg Bachmann beginnt 1948 und wird Ende der 50er Jahre wiederaufgefrischt. Endgültig endet sie wohl erst mit dem Tod Paul Celans im Jahr 1970. Wer nun glaubt, die beiden paraphrasieren diese Liebe mit Worten für Blumenwiesen, der irrt gewaltig. Ingeborg Bachmann war keineswegs eine Frau, die nur intellektuelle Beziehungen zu Männer gesucht hätte. Wer zwischen den Zeilen liest erkennt genau, dass Ingeborg Bachmann immer wieder Männerbekanntschaften pflegte. Mit Paul Celan verbindet sie darüber hinaus wesentlich mehr. Er ist einer der wenigen Männer, der jenseits allem Körperlichem das Sinnliche und das Geistige in ihr anspricht. Genau das ist aber auch der Grund, für das Scheitern der Beziehung. Sie nehmen sich gegenseitig die Luft zum Atmen. Ausschlaggebend für die Distanz zwischen beiden ist vor allem ein fehlendes Verständnis von Bachmann gegenüber den Depressionen, die Paul Celan wohl sein Leben lang geplagt haben mussten. Celan hatte beide Eltern in einem Konzentrationslager verloren und litt sehr unter den Erfahrungen, die er hat machen müssen. Bachmann, die damals wie vermutlich die meisten Menschen kurz nach dem Krieg die Tragweite des Leides gar nicht richtig begreifen konnte, wirft Celan immer wieder vor, dass er sich zu sehr in dieses Leid hineinbegibt und sich als leidend darstelle.

Eine wesentliche Rolle spielt auch der Dichter Max Frisch, mit dem Ingeborg Bachmann später ebenfalls eine Beziehung hatte und der in den in diesem Band ebenfalls dargestellten Briefen an Celan recht unverblümt eine fehlende Kritikfähigkeit Celans attestiert. Celan, der nach dem Krieg und seiner Flucht aus einem rumänischen Arbeitslager, als staatenloser Jude galt, sieht sich bei jeder Art von Kritik einem latenten antisemitischen „objektiven Dämon“ ausgesetzt. Die persönlichen Treffen, die in den Briefen abgesprochen sind, sowie die verschiedenen Versionen eines Briefes zeugen von dem Ringen um nuancierte Ausdrücke, die letztendlich aber nicht zu einem gegenseitigen Verständnis führen.

Das beeindruckende an diesem Briefwechsel ist nicht unbedingt sein lyrischer Gehalt. Es ist vor allem die literaturhistorische Bedeutung, die speziell Paul Celan in einem anderen Licht darstellt. Celan war ein völlig entwurzelter Mensch und seine einzigartige lyrische Begabung hat ihm nicht den Halt gebracht, den er sich selbst gewünscht hätte. Erst im Nachhinein, unter Berücksichtigung seines tragischen Todes 1970, wird diese Entwurzelung deutlich. Der Gesamtkontext war für die Akteure nicht greifbar. Sensible Menschen haben ein Radar für andere sensible Menschen – sie gänzlich zu erfassen gelingt aber so gut wie nie. Dieser Briefwechsel trägt dazu bei und ist ein ganz großes Mosaiksteinchen für alle Menschen, die sich für die beginnende Aufarbeitung nach der Stunde Null im literarischen Deutschland interessieren. Ein unterhaltsames, mitreißendes Zeitdokument.


19. November 2016

Gründerzeit

Zwei weitere Damals/Heute Vergleiche komplettieren meine Amrumer Ansichten. Allerdings sind beide Vergleiche die wohl am wenigsten gelungenen. Die Perspektive gab einfach nicht mehr her. Details – hier klicken.

Grundlage für meine Amrumer Ansichten ist meine Sammlung historischer Postkarten, die jetzt mehr und mehr mit den teureren Exemplaren ergänzt wird. Allein letzte Woche habe ich wieder sechs weitere Postkarten erstanden. Und ich erkenne jetzt wirkliche Raritäten – eine davon möchte ich an dieser Stelle separat vorstellen. Es ist die älteste gelaufene Postkarte in meiner Sammlung. Karte wie auch Poststempel sind auf den Juli 1901 datiert. Die Karte zeigt zwei Gebäude, die schon lange nicht mehr existieren – das Kurhaus in Wittdün und das „Hotel Central“. So weit mir bekannt wurden die Gebäude Ende der 50er Jahre abgerissen.

Kurhaus Wittdün 1901
Die älteste Postkarte meiner Sammlung aus dem Jahr 1901 zeigt das prunkvolle Kurhaus in Wittdün

Im Jahr 1901 waren diese beiden Gebäude jedoch äußerst repräsentativ. Ihre Nutzung fällt in die glorreiche Gründerzeit des Seebades Wittdün. Diese begann ca. 1890. Das Kurhotel galt zu Beginn des Jahrhunderts als die feinste Adresse der etablierten Nordseebäder. 63 Zimmer mit edelster Ausstattung, ein prunkvoller Salon (auch auf diversen Postkarten verewigt) und Ausdruck eines Anspruchs, den Amrum und Wittdün wohl nur zu dieser Zeit repräsentiert haben. Vor dem Kurhaus war die große Fähranleger-Brücke, an der täglich Schiffe der Linie Hamburg – Helgoland – Westerland anlegten. Und mit Schiffe meine ich die damals großen und bedeutenden Dampfer des Norddeutschen Llyods. Wittdün war einer der wenigen Häfen, an denen die Passagiere nicht „ausgebootet“ werden mussten. Über die Anlegerbrücke ging es direkt zu den Stufen dieser prachtvollen Bauten. Fotos aus jener Zeit wirken heute noch sehr beeindruckend. So schön die Gründerzeit auch war und so sehr sie auch die gut betuchte Gesellschaft anlockte – um 1910 stellte sich heraus, dass die Gier einiger Gründerväter wohl größer war, als ihre Geschäftstüchtigkeit. Aus dem „Kaiserhof“, ebenfalls ein Prachtbau – auf dieser Karte nicht zu sehen – wurde eine Jugendherberge. Viele Häuser der Gründerzeit verfielen, nur wenige sind bis heute erhalten. Besonders beachtlich ist auch die Art und Weise, wie diese Gebäude termingerecht entstanden sind. Bauarbeiter, die in Baracken und Erdlöchern gehaust haben, arbeiteten Tag und Nacht und schafften die Baumaterialien, die mit Schiffen auf die Insel gebracht wurden, bei Ebbe an die Baustellen.

Ich jedenfalls finde dieses Foto beachtlich. Wenn ich mir die Stufen anschaue, an deren Füßen prunkvolle Dampfer anlegten und mir klarmache, dass ich in meinen Urlauben dort jeden Tag vorbeigehe, dann nehme ich mir wieder und wieder vor, noch mehr nach den Spuren dieser Zeit zu suchen. Die sind jedoch kaum mehr vorhanden. Ich hoffe ja, dass die Hauswand in der Mitte zwischen den beiden Gebäuden zu einem heute noch bestehenden Haus gehört – dann würde sich hier eine ganz besondere neue Amrumer Ansicht ankündigen, nach der ich bei meinem nächsten Besuch Ausschau halten werde.

12. November 2016

Ortsnamen wie Imperative

Was für ein Chaos, was für eine Tort(o)ur! Nachts vor meiner Abreise die mittlerweile obligatorische Mail der Bahn APP zu ausgefallenen Zügen. Keiner der Züge auf meinem Ticket ist gefahren und gestern Morgen ist auch der Ersatzzug des Ersatzzuges ausgefallen. Eine auf die Schnelle morgens im Netz herausgesuchte Alternative war allerdings auch völlig egal, denn es kam alles noch viel chaotischer. Wichtig ist immer, nach Hamburg zu kommen. Also von Amrum, erst nach Dagebüll, dann von Dagebüll nach Niebüll und von Niebüll schließlich nach Hamburg. Von Hamburg aus fahren stündlich mehrere IC/ICE nach Köln.

Jetzt hatte ich gestern Morgen jedoch das Problem, dass überhaupt kein Zug von Niebüll aus gefahren ist. Die NOB (Nord-Ostsee-Bahn) hatte bis zum Nachmittag aufgrund eines gravierenden Sicherheitsproblems alle Züge eingestellt. Ich hing also in Niebüll fest und wäre erst am späten Nachmittag überhaupt von dort weggekommen, wenn ich nicht einen komplizierten, aber letztlich effektiven Alternativplan befolgt hätte. Zu dieser Idee hat mir ein Bahnmitarbeiter vor Ort – armer Kerl, auf den sind alle eingestürmt – geraten. Von Niebüll mit einem ganz normalen Linienbus nach Flensburg und vor dort aus weiter nach Hamburg. Von Flensburg aus fahren normale Regio-Express Bahnen der Deutschen Bundesbahn. Flensburg liegt quasi auf der anderen Seite von Schleswig-Holstein.

Nun gut – genau so habe ich das gemacht. Dabei durfte ich durch die nordfriesischen Weltstädte Klixbüll, Weicheie, Leck und Unaften mit Bus bereisen – Städtenamen, die wie Imperative klingen. Und der Flensburger Bahnhof hat keine Bushaltestelle. Zumindest nicht für den Bus, mit dem ich gefahren bin. Also waren noch 700m Fußmarsch angesagt, was mit Gepäck, wenn der Koffer auch Rollen hat, nicht so angenehm ist.

Lange Rede, kurzer Sinn – der Plan ist aufgegangen. Der Regional Express von Flensburg nach Hamburg kam pünktlich an und der IC, der wieder ein anderer war als der Ersatzzug vom Ersatzzug, hat mich nach Köln gebracht. Dass an einem 11.11. in Köln die S-Bahnen abends dicht sind, ist logisch und lässt sich nicht der Bahn anlasten. Statt um 17:30 Uhr war ich gegen 19:30 Uhr zu Hause. Wenn man bedenkt, dass ich schon nachts um 4:30 Uhr aufgestanden war und um 6:00 Uhr auf der Fähre saß, kann ein Urlaub auf Amrum manchmal genauso lange dauern wie eine kleine Weltreise.

Noch eine technische Sache am Rande: Ich durfte ich feststellen, dass mit einem Update des Safari Browsers unter MacOS meine Seite nicht korrekt dargestellt wird. Eine Korrektur folgt in Kürze.

9. November 2016

Auf meiner Insel 79

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Allmählich neigt sich mein Urlaub dem Ende. Dieser Eintrag ist daher der vorerst letzte von meiner Insel.

Das Wetter war heute richtig gut. Schweinekalt, aber viel Sonne. Dem entsprechend war die Foto-Ausbeute ganz gut. Auch mein Graufilter Projekt habe ich zu einem ganz guten Ergebnis geführt (siehe oben und weitere Beispiele in meinem Fotostream).

Quasi auf Vorrat habe ich auch weitere Perspektiven für Damals/Heute Fotos aufgenommen – dazu habe ich mir aber jetzt im Urlaub keine Zeit genommen, um diese aufzubereiten. Das folgt dann in den nächsten Wochen.

Auch die Zugfahrt nach Hause ist geregelt – wenn ein Zug ausfällt, dann gilt eine Zugbindung für ein Sparticket nicht mehr. Ich habe jetzt eine Alternativverbindung und bin also ganz relaxed wenn es am Freitag nach Hause geht.

8. November 2016

Auf meiner Insel 78

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Auch heute gibt es wieder drei Fotos aus meinen Grau-Filter Versuchen. Das richtig gute Foto ist mir noch nicht gelungen. Das liegt nicht so sehr an den Kamera-Einstellungen sondern an einer Erkenntnis, die sich tatsächlich erst durch viel Ausprobieren offenbart. Graufilter ist nicht gleich Graufilter. Wenn Sie das Beispielbild oben anklicken und in flickr mit einem weiteren Klick vergrößern, dann erkennen Sie eine Schwachstelle. Diese Schwachstelle findet sich in allen meinen Fotos, die ansonsten von den Einstellungen her schon genau dem entsprechen, was ich als Endergebnis haben will.

Der vordere Teil ist schön scharf. Hierhin hat das Objektiv fokussiert. Nach hinten hinaus werden die Elemente unscharf. Die Unschärfe des Wassers scheint sich auf die hinteren Holzpfähle des Wellenbrechers zu übertragen. Das Bild ist also ungleichmäßig scharf. Wäre das ein Wackler, was bei 30 Sekunden Belichtungszeit natürlich möglich wäre, dann wäre alles unscharf. So sind es immer nur Teile des Bildes.

Der Grund sind meine Graufilter in Kombination mit einem Zoomobjektiv. Da zeigen sich dann sehr wohl Schwächen des Tamron Objektivs aber auch der Graufilter Technik, die ich gewählt habe. Meine Graufilter werden als Scheiben, drei an der Zahl, in einer Vorrichtung vor das Objektiv eingeschoben. Zwischen den einzelnen Scheiben ist genug Platz für Schmutzpartikel und Kondenswasser. Wenn die Scheiben auch nur minimal beschlagen, was sich nicht vermweiden lässt, dann wirkt sich das natürlich bei hohen Belichtungszeiten sofort aus. Es gibt also einen qualitativen Unterschied zwischen diesen Graufiltern, die ich nutze und solchen als Konkurrenzprodukt. Der Preisunterschied hat also wirklich einen Grund. Graufilter übereinander zu schrauben, wenn sie ein weiteres Außengewinde für einen zweiten oder dritten Filter haben, würde dieses Problem lösen. Aber solche Filter sind teuer.

Mir ist also noch kein Foto mit Poster-Charakter geglückt. Das beste Graufilter Foto soll nämlich ein großformatiges Bild in meiner Wohnung ersetzen. Das geht aber nur bei entsprechender Qualität.

Die Lösung für diesen Urlaub liegt auf der Hand: Weg mit den Graufiltern und die blaue Stunde der Abenddämmerung nutzen! Es gibt einen kleinen Zeitrahmen und vielleicht 15-20 Minuten, in dem man auf die Graufilter gänzlich verzichten könnte. Wenn es morgen ähnliches Wetter gibt – saukalt, aber kein Regen und der Wind hält sich in Grenzen – dann werde ich ganz klassisch mit dem Standardobjektiv erneut diese Fotos versuchen.

Sonst gibt es nicht viel zu erzählen. Bei Tageslicht laufe ich hier durch den Hafen, an der Südspitze entlang, bis hin zu den Bohlenwegen, immer mit dem Stativ in der Hand und jage dem ultimativen Foto nach. Ich geniesse die Ruhe und gehe alles langsam an. Den Inselbäcker hier sollte man einsperren. Er ist verantwortlich dafür, dass mein ansonsten perfekter Luxuskörper außer Form geraten könnte. Der macht Croissants mit Schokolade (gibt es überall, nichts besonderes), füllt sie aber mit einer Vanillecreme und außen herum Marzipan. Zwei Stück davon und den obligatorischen Beutel Mandarinchen am Tag - ich verwöhne mich selbst.

Abends wird weiter geschrieben – mein Protagonist hat gerade entscheidend dazu beigetragen, dass der Mord an der Prostituierten Rosemarie Nitribitt niemals aufgeklärt wird … .

7. November 2016

Auf meiner Insel 77

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Schon in der Nacht vor der Hinfahrt vor gut einer Woche wurde ich von einer Push-Nachricht der DB-App geweckt: Zugausfall, Ersatzzug, keine Panik, alles gut. Jetzt gab es wieder einen Verspätungsalarm ohne konkreten Hinweis. Ich solle einfach mal meinen Reiseplan auf bahn.de checken. Das habe ich gemacht, mitten in der Nacht und meine Feststellung ist die, dass der Zug von Altona nach Köln gar nicht fährt. Also den Zug gibt es gar nicht mehr, obwohl ich ein Sparticket habe, dass an diesen Zug gebunden ist. Ich muss das morgen hier vor Ort mal klären – es gibt in dem Gebäude der WDR (Wyker Dampfschiff Reederei) auch einen DB Schalter. Wenn die Zugbindung einfach aufgehoben wird, ist alles so weit OK. Es fahren genug Züge von Altona nach Köln – aber es ist schon seltsam, dass keiner der Züge, für die ich mir Anfang September ein Ticket gekauft habe, auch wirklich gefahren ist. Da ist irgendwie etwas mit der Planung durcheinander gegangen.

Aber bevor es nach Hause geht wird die nächsten vier Tage noch weitergeschrieben und weiter fotografiert. Obwohl es heute wieder sehr windig war – der Regen hat heute wirklich mal komplett pausiert – habe ich eine weitere kleine Nische gefunden, die mir meine Graufilter-Fotos ermöglicht. Auf der anderen Seite der Wandelbahn, in einer kleinen Ecke, in der windgeschützt zwei Parkbänke stehen, war es heute fast windstill, während das Haus hier und mein Balkon den Wind voll abbekam. Windstill ist natürlich relativ – es gab schon Wind, aber 30 sekündige Pausen haben einige Tests meiner Graufilter-Fotos ermöglicht. Dabei habe ich wieder etwas gelernt: Je dunkler es ist oder je weiter das zu fixierende Objekt entfernt ist, desto weniger Sinn macht ein Autofokus. Das hört sich logisch an – vor Ort und bei einrastendem Fokus ist einem das gar nicht so bewusst. Jedenfalls hat das heute zu vielen misslungenen weil unscharfen Fotos geführt. Unschärfe sieht man bei solchen Fotos leider nicht im Display der Kamera, denn die Wasserbewegung soll ja „unscharf“ sein. Den Mist erkennt man erst am Rechner.

Es waren aber auch einige brauchbare Ergebnisse dabei. Ein richtig gutes Foto, was meiner Vorstellung solcher Fotos schon sehr nahekommt, habe ich hochgeladen. Bei diesem Foto gefällt mir auch die Schärfe und die Konturen der Steine, die vom Wasser umschlossen werden. Die Wasserbewegung ist deutlich zu erkennen – das Wasser sieht unwirklich milchig aus. Genau diesen Effekt will ich einfangen. Ich glaube auch, dass ich Objekte viel größer in Szene setzen muss, damit dieser Effekt noch besser zur Geltung kommt.


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6. November 2016

Auf meiner Insel 76

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Dorfpoet at work
 
Also ich muss sagen, dass mich das allmählich schon etwas nervt. Das Wetter ist jetzt, Halbzeit in meinem Urlaub, noch nie so mies gewesen. In keinem meiner bisherigen Urlaube. Nach dem ich gestern ein wenig Hoffnung hatte, es könnte heute wenigstens weniger regnen, schien das Regengebiet heute über Amrum festzusitzen. Regenradarbilder haben das bestätigt. Erst am späten Nachmittag hat es zumindest so nachgelassen, dass ich ein wenig rausgehen konnte. Das ist vermutlich der Ausgleich für meinen Urlaub im Mai. Da habe ich die erste Wolke erst am Tag meiner Abreise gesehen und 12 Tage nur perfektes Wetter gehabt.

Nun, der Vorteil ist, dass ich mit meinem Schreiben sehr gut vorankomme. Es macht richtig Spaß mal wieder einen richtig langen Text entstehen zu sehen. Auch die Feinheiten, die einen guten Text ausmachen, zeigen sich mehr und mehr. Manche Figuren entwickeln ein Eigenleben und finden plötzlich nicht nur als einfaches Beiwerk ihren Platz.

Highlight war ein kleiner Google Hangout heute Nachmittag. Obwohl hier das Internet manchmal einfach so für ein paar Stunden seinen Geist aufgibt und die Upload Geschwindigkeit hier sehr langsam ist, hat das sehr gut geklappt. Dem altehrwürdigen Olaf M. konnte ich so per Tablet und zwei Kameras ein bisschen meine Wohnung und den Ausblick vom Balkon aus zeigen. Feine, einfache Sache diese Hangouts. Ein anderer eingeladener Teilnehmer war wohl etwas unpässlich – naja, er hat es halt nicht so mit Technik ;-)

Da das Wetter momentan recht unfreundlich zu Fotografen ist, gibt es heute keine neuen Uploads.

5. November 2016

Auf meiner Insel 75

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Viele neue Fotos in meinem flickr Account


Sonne! Nach fast drei Tagen ununterbrochenem Regen – und es war nicht die Art von Regen, die man mit einer einfachen Regenjacke kompensieren könnte – zeigte sich am späten Nachmittag endlich eine größere Wolkenlücke. Einen Sonnenuntergang gab es nicht. Die Sonne war hinter der abziehenden Regenfront, aber die großen dicken Regenwolken zeigten dunkelblau/orange Konturen. Ein ganz besonders faszinierendes Farbenspiel.

Die nächsten Tage soll das Wetter ähnlich werden. Natürlich soll es auch hier kälter werden. Der Wind war heute auch viel erträglicher – ich mache mir berechtigte Hoffnungen, weitere Graufilterfotos anfertigen zu können. Wer also in den nächsten Tagen jemanden sieht, der auf Kniehöhe Stative aufstellt und komische Verrenkungen macht – nein, das ist keine Kegelrobbe, die sich verschwommen hat ;-)

Heute werde ich hoffentlich die 25.000 Wörter-Grenze knacken. Damit wäre so ca. ein Viertel des Textes meines neuen Buches geschrieben. Die Anfänge, in denen alle Grundzüge des wichtigsten Protagonisten gelegt werden, ist in der Rohfassung fertig. Jetzt entscheidet sich, ob man das Buch wirklich zu Ende schreiben kann. Hat man als Autor das Gefühl, das dieses Fundament tragfähig ist, dann kann es weitergehen. Das Schreiben verlangsamt sich dann etwas, man springt jetzt öfter an Schlüsselstellen zurück – das Korrigieren nimmt mehr Raum ein. Ist das Abschnitt dann beim zweiten oder dritten Mal lesen in sich stimmig, dann passt die Grundlage für die kommenden Kapitel.

Zur Handlung: es geht um die Entstehung des Deutschen Verfassungsschutzes nach dem 2. Weltkrieg, seine Bedeutung für die Gesellschaft im Nachkriegsdeutschland und seine Verstrickungen in den wichtigsten Ereignissen seit den 50er Jahren. Protagonist ist ein junger Amerikaner, der mit seinen Eltern 1933 kurz nach der Machtergreifung Hitlers in die USA geflohen ist. Dieser junge Mann ist extrem intelligent und wird als Verhandlungsführer der Amerikanischen Administration zurück nach Deutschland geschickt, wo er zu einer wichtigen, machtvollen Figur hinter den Kulissen wird. Er setzt das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland durch und er etabliert den Verfassungsschutzes als internen Geheimdienst der BRD. Seine Gegenspieler sind Major Eiserbeck von der Staatssicherheit der DDR und ein gewisser Reinhard Gehlen, Leiter der „Operation Gehlen“ aus der später der BND hervorgehen wird. Das Buch ist ein Thriller, der an verschiedenen historischen Szenen teilhaben lässt. Alle diese Szenen sind historische Tatsachen – nur der Protagonist ist erfunden. Die Kapitel sind Puzzleteile, die ein schlüssiges Gesamtbild ergeben sollen. Sie zeigen: so funktioniert die Macht hinter Macht. Moral existiert nur noch als normativer Anspruch.

Der Protagonist ist frei erfunden ... aber woher kommen diese Auszüge aus einer Stasi-Akte?



4. November 2016

Auf meiner Insel 74

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Die sich aus heutigem Dauerregen ergebende Not machte dahingehend erfinderisch, als dass ich meine ersten brauchbaren Tests mit Graufiltern einfach aus der Ferienwohnung heraus gemacht habe. Der lange Steg des Fähranlegers liegt genau gegenüber von meinem Balkon, der völlig graue Himmel lieferte die perfekte Kulisse und Regen und Wind erzeugten so viel Bewegung im Wasser, dass die gewünschten Effekte eigentlich prima getestet werden konnten. Das hört sich alles banal an, aber wo hat man schon man so ein Motiv direkt vor der Nase und kann verschiedene Graufilter vor die Linse setzen und mit Blende und Belichtungszeit experimentieren?

Fazit meiner Bemühungen: der wichtigste Faktor bei allem ist wirklich das Restlicht. Ist es zu dunkel, entsteht zu viel Bildrauschen, ist es zu hell braucht man etliche Versuche für die richtige Blenden/Zeit Kombination. Meine Strategie ist jetzt die, die Belichtungszeit immer auf 30 Sekunden einzustellen und mit den Graufiltern und der Blende zu experimentieren. Man setzt also einen Faktor fix und versucht, ein Gefühl für die anderen Faktoren zu bekommen. Andere Fotografen setzen die Blende fix und experimentieren mit den anderen Faktoren – egal, hier fehlt mir wirklich die Erfahrung.
Vier Fotos habe ich hochgeladen. Die Ergebnisse sind schon nicht schlecht. Es fehlt allerdings noch etwas mehr an Detailschärfe, d.h. eine kleinere Blende wäre in dem ein oder anderen Fall noch besser gewesen. Der Spaßfaktor jedenfalls ist hoch, da man direkt die Ergebnisse sehen kann. Ich werde ab jetzt jeden Abend diese Versuche wiederholen.

Vielleicht nochmal kurz zur Erklärung, was diese Graufilter bewirken: Mein Ziel ist es, hier im Hafen und bei den Wellenbrechern an der Wandelbahn Fotos zu machen, bei denen die Bewegung des Wassers wie ein rauschender Nebel aussieht. Für solche Fotos braucht man a) ein Stativ, denn alles außer dem Wasser soll ja scharf abgebildet werden. Das Rauschen des Wassers entsteht durch eine höhere Belichtungszeit, die bei einem kleinsten Wackler alles andere unscharf darstellen würde. Man braucht b) einen Graufilter. Dieser Graufilter wird vor das Objektiv geklemmt (oder aufgeschraubt). Diesen Graufilter braucht man, um dem Objektiv das Licht zu nehmen und um eine kleinere Blende einstellen zu können. Nur so kann die Belichtungszeit lang genug für die Wasserbewegung sein, aber kurz genug, damit das Bild nicht überbelichtet wird. Um eine Überbelichtung zu vermeiden, benutzt man Graufilter. Alternativ kann man solche Aufnahmen auch in der Dämmerung machen, was aber extrem viel Erfahung voraussetzt. Graufilter machen vom Tageslicht unabhängig. Meine Vorrichtung vor dem Objektv erlaubt mir, bis zu drei Filterscheiben hintereinander zu kombinieren. Neben einem Stativ braucht es auch noch absolute Windstille, einen Fernauslöser und eine Spiegelreflexkamera mit einer Spiegelvorauslösung. Gibt es letztere nicht, dann würde das Herunterklappen des Spiegels und die Restschwingung des Kameragehäuses das Bild verwackeln. Das Gleiche würde durch das Antippen eines Auslöser an dem Gehäuse passieren - daher der Fernauslöser.

Außer vier Bildern meines Experiments in verschiedenen Varianten gibt es heute keine weiteren  Uploads. Es hat wirklich nur wenige Minuten heute nicht geregnet. Als der Regen nicht ganz so stark war habe ich eine Stelle für eine weiteres Schiebebild aufgesucht. Diese Position stellt mich vor eine echte Herausforderung, da die Position des Fotografens in den 30er Jahren durch Veränderungen eines Deiches nicht mehr existiert. Um eine halbwegs akzeptable Position zu finden müsste ich über einen Stacheldraht in Hüfthöhe klettern und mich dann durch den Dreck auf meinen Knien in Position bringen. Wenn ich dann verhaftet werde, wäre das wohl Künstlerpech.

Heute Abend Schreibsession 3. Nehme ich meine Vorbereitungen hinzu, dann bin ich NaNoWriMo-technisch (50.000 Wörter bis Ende November, für mich: bis Ende des Urlaubs) gut dabei.