22. April 2016

VSTO

Es ist locker 25 Jahre her, da habe ich das erste Mal Visual Basic in Aktion gesehen. Jemand aus der “Teestube” – ein Jugendtreff der Evangelischen Kirche, den ich damals besucht habe – hat mir Visual Basic 3.0 gezeigt. Das hat mich direkt beeindruckt, weil das Prinzip sehr einfach war. Einfach ein Formular zusammenbauen und dann Ereignisse definieren. Kommt man aus den 80er Jahren und hat an einem Schneider-Computer einfache BASIC Programme gebaut, muss man sich erst an die Objektorientierung gewöhnen. Ein Programm läuft eben nicht linear ab sondern interaktiv, je nachdem was der User macht. Das war damals unter Windows 3.1 – hier ein Video für Nostalgiker.

Jetzt, mehr als zwei Jahrzehnte später würde ich sagen, dass mein Interesse von damals, der Kauf eines ersten großen “Kompendiums” und das Durcharbeiten desselben sich gelohnt haben. Das, was in meinem beruflichen Alltag heute wirklich wichtig ist, ist genau dieses technische Verständnis. Microsoft hat dann bei Office 97 einen genialen Schachzug getan: man hat Visual Basic in Microsoft Office integriert. Das nannte sich dann VBA, “Visual Basic For Applications”. Mit VBA arbeite ich jeden Tag.

Visual Basic hat sich dann stetig weiterentwickelt. Mit dem “.net” Framework wurden auch weitere Sprachen integriert- Statt mit Visual Basic konnte auch mit dem klassischen C++ oder mit C# programmiert werden. Visual Basic ist aber nach wie vor mein Favorit, denn ich hasse alle Programmiersprachen, bei denen man sich mehr auf die verschachtelten Klammerpaare, als auf die eigentlichen Prozeduren konzentrieren muss.

Apple hat auf seinen Rechnern die Tools zum Programmieren immer kostenfrei gelassen. Für Xcode und die mit diesem Tool entwickelten Anwendungen, ist prinzipiell keine Lizenzierung von Xcode notwendig. Das war bei “.net” lange nicht so. Lizenzen für VB oder Visual Studio waren extrem teuer. Diese Politik hat Microsoft in etwa zur Mitte der 00er Jahr geändert. Neben den kommerziellen Lizenzen standen die sogenannten “Express Editionen” bereit – diese erlaubten eine kostenfreie Programmierung für Opensource Projekte und den privaten Gebrauch. Aber auch das wurde mittlerweile verworfen. Es gibt seit 2012 eine sogenannte “Community Edition”, die mit der kommerziellen Version von Visual Studio identisch ist. Man darf jetzt auch kommerzielle Produkte damit entwerfen. Einzige Einschränkung: arbeitet der Entwickler in einem Unternehmen mit mehr als 1 Millionen EUR Jahresumsatz, dann erst werden Lizenzgebühren fällig.

Aber auch hier gab es noch eine Einschränkung: die Entwicklung sogenannter VSTO Elemente, also Erweiterungen von Microsoft Office, die über die VBA Elemente hinausgehen, war mit der Community Edition nicht möglich. Nun – auch das hat sich jetzt geändert. Seit Anfang diesen Jahres lassen sich VSTO Projekte mit der kostenfreien Community Edition erstellen:

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Die Möglichkeiten, die sich für jemanden, der sich mit Visual Basic auskennt und die Tiefen von Microsoft Office in VBA ergründet hat, sich unbeschreiblich.

Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was möglich ist, zeige ich hier. Dieser Screenshot zeigt eine Erweiterung für Microsoft Word, die ich derzeit zusammenbaue. Man sieht oben einen eigenen “Ribbon” für dieses AddIn und rechts eine “Taskpane” mit dem Titel “Dokumentstruktur”, also ein eigenes Panel, an dem sich diverse Einstellungen machen lassen. Ziel dieses Tools ist die Pflege einer integrierten Datenbank, zu der sich zu jedem Kapitel eines längeren Textes, Statusangaben pflegen lassen. Alle literarischen Projekte lassen sich damit verwalten und in ihrer Entstehung dokumentieren.

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Zunächst einmal baue ich dieses Tool nur für mich selbst. Aber es dürfte nichts dagegen sprechen, dieses Projekt mehr und mehr auszubauen. Es ist wirklich faszinierend zu sehen, wie sich persönliche Erfahrung, Ideen und neue Möglichkeiten zu etwas Greifbarem zusammensetzen lassen. Teilweise lassen sich mit IntelliSense, das ist das automatische Antizipieren des logisch folgenden Quellcodes, Lösungen intuitiv erstellen, ohne dass man noch großartig in eine Dokumentation schauen muss. Daher hat dieser Blog mit “Visual Studio / Programmieren” einen neue Kategorie bekommen.

Link zum Download der deutschen Fassung der Community Edition von Visual Studio

Link zum Download der VSTO Erweiterung für Visual Studio

5. April 2016

Wenn Pipi Langstrumpf zur Furie mutiert …

CHVRCHES – Live im E-Werk in Köln am 04. April 2016

Von Peter Killert.

Wenn man sich bei einem CHVRCHES Konzert so umschaut, dann fällt eines ganz besonders auf: die breite, vielschichtige Fanbasis. Da sind Teenies, alte Säcke wie ich, der Student, der Öko, der Bürokaufmann, die mehrfache Mama, der Typ in der MidLifeCrisis, die 80er Waver oder die Lowcarb-Vegan-Bratze. Alles da. Ein Querschnitt der Gesellschaft, eine stetig wachsende Masse an Menschen, die eines gemeinsam haben – einen guten Musikgeschmack.

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CHVRCHES Live in Cologne, E-Werk 04.04.2016 - Foto: Peter Killert.
Ich habe CHVRCHES vor einigen Jahren entdeckt. Da waren sie Opening Act bei Depeche Mode. Und die Depeche Mode Vorbands waren schon immer legendär (Nitzer Ebb, Front 242). CHVRCHES sind noch keine Legende, aber sie sind auf dem besten Weg dahin. Ihr zweites Album “Every Open Eye” enthält mindestens so viele Ohrwürmer, wie das erste Album “The Bones Of What You Believe”. Gestern Abend im E-Werk wirkte jeder Song wie ein Feuerwerk. Und das lag vor allem an der Sängerin.

Lauren Mayberry turnt über die Bühne, wie eine zur Elektro-Furie mutierte Pipi Langstrumpf. Frech, klein, zart und dennoch explodiert sie beinahe vor Energie und überträgt diese auf ihr höriges Publikum. Wenn sie dann auf die eigens für sie aufgebauten E-Drums in “Playing Dead” einprügelt, wird es richtig hypnotisch – zusammen mit der grandiosen Lightshow nichts für Epileptiker.

CHVRCHES haben sich in den letzten Jahren, in denen sie unentwegt durch die ganze Welt tourten, eine beeindruckende Routine angeeignet. Routine kann Langweile bedeuten – bei CHVRCHES bedeutet sie Souveränität und Zuverlässigkeit. Die neuen Songs zünden sofort. Das eher spröde Highlight des ersten Albums “Science & Visions” ist live jetzt so perfekt, dass man aus der Gänsehaut nicht mehr rauskommen will. CHVRCHES können es sich sogar leisten, ihren ersten großen Song “Lies” aus der Setlist zu streichen. Die wenigsten haben es vermutlich überhaupt bemerkt. Und wenn Mastermind Martin Doherty für zwei Songs den Gesangspart übernimmt, ist das nicht nur Abwechslung – dieser Rollentausch ist jetzt schon Kult und darf niemals fehlen.

Der dritte im Bunde, Iain Cook verkörpert ein weiteres, unverwechselbares Merkmal. Ich glaube, CHVRCHES sind die einzige Synthie-Pop Band, bei denen ein Bassist vorne an der Bühne steht und den elektronischen Klängen eine besondere Tiefe verleiht – Bassgitarre und Elektro-Pop, diesen abgefahrenen Part übernimmt Iain Cook.

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CHVRCHES Live in Cologne, E-Werk 04.04.2016 - Foto: Peter Killert.

CHVRCHES sind gewachsen, entwickeln sich weiter und sind auf einem exzellenten Weg. Die Location in Köln wurde vom Gloria zum E-Werk erweitert. Gut tausend Fans mehr. Und ein alter Sack kann irgendwann sagen: “Ja, ich war dabei. Damals. Als CHVRCHES noch nicht die großen Stadien gefüllt haben … .”

Solange Depeche Mode in ihrer Dreijahrespause sind, besetzen CHVRCHES den Platz der besten Synthiepopband der Welt.

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3. April 2016

Pragmatische Aufhübschungen

Auch gestern war ich wieder mit der neuen Kamera unterwegs. Dabei war erstmals mein neues Stativ im Einsatz. Damit bin ich sehr zufrieden. Immer mehr Gefallen finde ich an der Bearbeitung im RAW Format.

Hier nochmal zwei Beispiele für die Bearbeitung im RAW Format. Das erste Foto zeigt eine extreme Verbesserung dank der Möglichkeiten in View NX2. Aufgenommen in der Abenddämmerung ohne Blitz gibt das Foto die Blüte nicht mal ansatzweise so wieder, wie ich sie als Fotograf gesehen habe. Die Bearbeitung des RAW Bildes, insbesondere die nachträgliche Scharfzeichnung, holt das Beste aus dem Foto raus. Und das fertige Bild wirkt nicht künstlich wie bei einer Änderung von Gradiationskurven bei einem JPG:

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Das zweite Beispiel ist nicht ganz so extrem. Hier habe ich bei der RAW Bearbeitung das Bild leicht aufgehellt, Schatten und Lichter hervorgehoben, aber wieder deutlich die Scharfzeichnung angewendet.

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Bei der Nutzung des Stativs, der Nutzung der RAW Bearbeitung oder bei meinen Versuchen, die manuellen Einstellmöglichkeiten von Brennweite, Blende, ISO und Belichtungszeit, richtig einzusetzen, gehe ich ganz pragmatisch vor. Das Ergebnis zählt und der Weg dorthin ist nur für das persönliche Verständnis und für seine Anwendung in der Zukunft wichtig. Ich würde nie behaupten, dass nur derjenige ein guter Fotograf ist, der alles manuell einstellt und auf Nachbearbeitungen verzichten kann. Deshalb wird ab sofort nur noch in RAW fotografiert. Bei Aufhübschungen sollte man ganz pragmatisch sein … .

28. März 2016

House of Cards - Vienna

Derzeit läuft die 4. Staffel von “House Of Cards” bei Amazon Prime/Netflix. Jede Woche eine neue Folge. Abgesehen davon, dass die Serie immer besser wird hat, mich schon immer der Vorspann mit seinen Timelapse-Aufnahmen fasziniert. Zusammen mit der bekannten Titelmelodie trägt dieser Vorspann zu einem hohen Wiedererkennungswert der Serie bei.



Eine österreichische Filmproduktionsfirma hat diesen Vorspann 1:1 adaptiert und statt mit Timelapse-Aufnahmen aus Washington mit passenden Aufnahmen aus Wien versehen. Das Ergebnis ist verblüffend und echt sehenswert:



In einem weiteren Video werden die Sequenzen direkt gegenübergestellt. Hier sieht man noch deutlicher wie gekonnt und präzise die Adaption der Österreicher gewesen ist:



Die Macher des Videos: http://filmspektakel.at/en/

Bildbearbeitung/Verwaltung–Kleiner Überblick

Nachdem bekannt ist, dass Picasa von Google nicht mehr weiterentwickelt wird, muss man sich langfristig nach Fotoverwaltungen und Bearbeitungssoftware umsehen, die Picasa ersetzen können. Dazu ein paar Hinweise – einige ganz aktuell.

Seit wenigen Tagen bietet Google die “Nik Collection” kostenlos an. Man vermutet, dass diese Tool Sammlung Teil eines größeren, neueren Projektes von Google sein wird. Die “Nik Collection” besteht aus sieben Plugins für Lightroom, Photoshop oder Photoshop Elements und macht aus Fotos echte Kunstwerke. Mehr Infos gibt es hier. Hier geht es zum Download. – Es gibt auch Diskussionen im Forum bei heise.de, wie diese Plugins als Stand-Alone Anwendung laufen können.

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Analog Efex Pro 2 – Teil der NIK Collection

Damit lassen sich allerdings keine Fotos verwalten. Wer Abonnent von Adobe ist, wird seine Fotos vermutlich über Lightroom verwalten. Besitzer von Photoshop Elements nutzen vermutlich den integrierten Organizer. Ich möchte aber auf zwei Programm hinweisen – kostenfreie Alternativen.

Lightzone ist eine OpenSource Software, die als Pendant zu Lightroom gedacht ist. Das Tool scheint auf eine eigene Datenbank zu verzichten, d.h. es übernimmt die Ordnerstruktur, in der die Bilder gespeichert sind, als primäre Quelle. Ich habe festgestellt, dass Lightzone das RAW Format meiner Kamera nicht vernünftig wiedergibt. Es zeigt alle RAW Bilder verwaschen und nicht editierbar an. Picasa hat den gleichen Fehler. Bei Picasa liegt es vermutlich an der fehlenden Weiterentwicklung der Software, die den letzten Stand der RAW Formate nicht mehr wahrnimmt. Bei Lightzone ist dieses Format vermutlich noch nicht sauber integriert. Ich habe auch noch nicht intensiv nach einer Lösung gesucht. Lightzone ist auf jeden Fall eines der spannendsten OpenSource Projekte derzeit. Lightzone gibt es für Windows und für den Mac.

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Lightzone – Das Opensource Pendant zu Lightroom.

Das gute alte ACDSEE ist seit einiger Zeit ebenfalls eine Abo-Software. Eine der letzten eigenständigen Versionen wird in einem CHIP Sonderheft seit Anfang Februar sehr günstig angeboten. Die Registrierung läuft nach einem Kauf des DVD Download über die Webseite des Herstellers. Es sind zwei Lizenznummern notwendig – eine von Chip, der per Mail zugesendet wird und eine Seriennummer, die dann auf der Herstellerseite erscheint. Das Praktische an dieser Version ist die Einfachheit von ACDSEE – viele unnötige Features lassen sich leicht abstellen – und es läuft anstandslos unter Windows 10.

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AcdSee Pro 7 – Bewährt und unter Windows 10 erste Wahl

Auf einem Macbook Air, auf dem ich Fotos unterwegs nur ansehe und nicht großartig bearbeite, reichen mir die Mac Funktionen und die Mac Version von View NX2. Auf dem PC am großen Bildschirm ist ACDSEE die erste Wahl, den dort kann man auch externen Editoren bestimmen. ACDSEE beherrscht außerdem EXIF und IPTC gleichermaßen. Man kann also die Metadaten in allen Variante pflegen.

Der Vollständigkeit wegen seien auch noch IrfanView und XnView erwähnt. Beide schon etwas älter, erfüllen aber solide ihren Zweck.

27. März 2016

Rohdaten statt Ostereier

Mein Fahrrad sieht aus wie Sau – da es heute Vormittag geregnet hat, bin ich durch so manche Pfütze gefahren. Ich war wieder unterwegs und habe einige Rohdaten meiner Kamera mitgebracht. Statt Ostereier Winking smile.

Ich bin gefragt worden, welches Programm da in dem Screenshot beim letzten Eintrag zu sehen war. Das ist nicht Lightroom – es heisst ViewNX2 und ist das hauseigene Programm von Nikon zur Bearbeitung von Bildern im RAW Format. Um noch mehr aus den Fotos herauszuholen, sind solche RAW Bearbeitungsprogramme sehr gut geeignet. Meine Kamera speichert ein Bild als JPG und gleichzeitig als RAW Format. Die RAW Datei ist dabei fast 3x so groß wie das JPG. RAW bedeutet, es wurden alle Daten des Bildsensors gespeichert. Das ermöglicht viele Korrekturen nach der Aufnahme, die an dem JPG Format nur eingeschränkt funktionieren.

Hier ein Beispiel – die erste Aufnahme ist das JPG aus dem RAW ohne Änderungen. Die nachfolgende Aufnahme zeigt meine Korrekturen in ViewNX2 – das JPG habe ich erst nach der Bearbeitung des Original RAW Bildes gemacht. Das Besondere an den Korrekturen im RAW Format ist, dass sie das Bild nicht verfälschen. Obwohl die korrigierte Fassung sehr viel farbintensiver ist, wirkt das Ergebnis dennoch nicht künstlich.


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Bei einfachen Tonwertkorrekturen in einer JPG Datei entsteht oft ein Bildrauschen – mit ViewNX2 hingegen ist es sehr spannend, die Fotos nachzubearbeiten. Alternativ gibt es “Camera Raw” von Adobe. Das ist jedoch kein eigenständiges Programm, sondern ein Plugin für Photoshop oder Photoshop Elements. Hier gibt es noch mehr “Schieberegler” für diverse Einstellungen- und dieser Konverter ist unabhängig vom Hersteller. Für GIMP gibt es als RAW Plugin UFRAW und leistet wohl ähnliches.

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Camera Raw von Adobe

Uploads meiner Fotos wie immer in meinem flickr-Account. Hier klicken.

26. März 2016

Tag der Ernüchterung

Meine erste Outdoor Fotosession mit der neuen Kamera. Meine erste Fotosession überhaupt, bei der ich mich voll auf manuelle Kameraeinstellungen konzentriert habe. Das Ergebnis: totale Ernüchterung. Theorie sehr gut, Praxis mangelhaft. Ich würde jetzt gerne schreiben, dass es an der Kamera liegt – das ist aber nicht der Fall. Ich bin noch ganz weit davon entfernt, die theoretischen Grundlagen der Kamera wirklich brauchbar anzuwenden. Fakt ist, dass die Kamera fantastische Fotos macht, wenn man die Automatik ihre Arbeit machen lässt.

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Die Kamera kann was – es scheitert (noch) am Fotografen.

Ernüchterung bedeutet aber auch, dass ich einiges gelernt habe. Es ist mir durchaus gelungen, bei einem fließenden Gewässer (eine Ente hat im Leyenweiher ein paar Tauchübungen gemacht und dabei das Wasser in Wallung gebracht Winking smile) die Wasserbewegung einzufangen und den Hintergrund scharf zu halten. Mit Stativ und einer Belichtungszeit von 1/2 Sekunde geht das. Das war dann aber auch das einzige Erfolgserlebnis.

In den Waldgebieten rund um Troisdorf gibt so viele schöne Motive. Eines davon hat sich geradezu aufgedrängt, um mit der Zeitautomatik zu spielen, d.h. man gibt der Kamera eine Blende vor und die Kamera berechnet die Belichtungszeit. Je nach Brennweite ergibt sich dann eine gewisse Schärfentiefe. Ich wollte die Weite des Blickes in einen Wald mit lauter Bäumen mit recht dünnen Stämmen einfangen – es ist nicht das herausgekommen, was ich haben wollte. Lediglich eine Variation der vielen ausprobierten Einstellungen kam dem nahe, was die Automatik vorgegeben hat. Aber ich wollte ja eben über die Automatik hinaus gehen – genau dieses Motiv war perfekt für das, was gute Fotografie von exzellenter Fotografie abheben lässt.

Richtige Profis lösen das Problem eines Schatten werfenden Waldes mit Sonnenlicht im Hintergrund, das durch die Bäume strahlt und alle Einstellungen zu einem Glücksspiel werden lässt, mit Gegenlichtkorrekturen und sogenannten Belichtungsreihen. Aber bis ich das verstanden habe, wird es noch etwas dauern. Die Bäume laufen ja nicht weg – eines Tages wird es so weit sein und ich mache ein Foto des Waldes, so wie ihn das Auge in seiner ganzen Tiefe wahrnimmt.

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Keine der ausprobierten Varianten hat zu dem gewünschten Ergebnis geführt … .

Zu den positiven Erkenntnissen zählt auch, dass ich in 10 Minuten Fahrradentfernung mit dem Leyenweiher eine perfekte Foto-Location zum Üben gefunden habe. Noch viel wichtiger sind aber diese beiden Erkenntnisse: ich brauche ein vernünftiges Stativ und mindestens einen Ersatzakku. Zum Thema Stativ hatte ich bisher eine ziemlich arrogante Meinung – ich habe immer gedacht, dass die großen, teuren Stative jenseits der 200,- EUR nur etwas für Schwanzprothetiker sind und gar nicht sein müssen. Mein Stativ für 20,- EUR tut es doch auch. In der Wohnung ausprobiert, alles super. In freier Wildbahn – ich habe meine ersten Fotos mit Stativ auf einer großen abgelegenen Wiese in der Wahner Heide gemacht – sieht das anders aus. Auch hier die totale Ernüchterung. Kleinste Unebenheiten lassen das Stativ schon wackeln. Kommt nur ein wenig stärkerer Wind auf, ist das Stativ kein Stativ mehr, sondern nur noch hinderlich. Dieses Stativ ist völlig unbrauchbar. Als ich mir dann in einem Laden heute ein richtiges Stativ angesehen habe, waren mir die Unterschiede sofort klar. Ich verstehe jetzt auch, warum es verschiedene Stativköpfe gibt und welchen Zweck sie haben. Wie mag sich mein 20,- EUR Stativ dann wohl auf Amrum im Kniepsand schlagen? Nun, eine Antwort auf diese Frage wird es nicht geben. Hier muss ich vor meinem nächsten Urlaub also noch etwas investieren, keine Frage.

Der Akku hält angeblich für 600 Bilder. Im Sonnenschein im “Live View” – das Motiv wird nicht im Sucher, sondern in dem sehr genialen, schwenkbaren Monitor angezeigt – muss die Helligkeit auf Maximum eingestellt werden. Nur so lassen sich Motiv und alle Einstellungen erkennen. Der Monitor zieht dann richtig Saft. Ich wäre heute noch länger unterwegs geblieben, wenn ich einen Ersatzakku gehabt hätte.

Ich lebe ja seit meiner Geburt in Troisdorf. Ich habe heute mit Entsetzen festgestellt, wie wenig mir die Wahner Heide, die Waldgebiete nördlich von Troisdorf und Siegburg überhaupt bekannt sind. An dem Leyenweiher war ich heute überhaupt das erste Mal. Ich sollte mich viel mehr mit der schönen Natur hier vor der Haustür beschäftigen. Mal schauen, wie das Wetter die nächsten Tage wird … .

(Meine Einträge zum Thema Fotografie haben jetzt auch eine gleichnamige Rubrik und können gezielt über das Menue rechts aufgerufen werden.)

25. März 2016

Damals vs. Heute Slider

Ich habe vor kurzem angefangen, historische Postkarten von Amrum zu sammeln. Neben meinen ImageMaps möchte ich auch Slider erstellen, mit denen man die Unterschiede Damals/Heute illustrieren kann.

Unter meinen vielen Amrum Fotos war auch ein Foto, dass bereits recht genau einer Perspektive einer der alten Postkarten entspricht. Damit habe ich ein im Internet gefundenes Script jetzt mal getestet. Bei meinem nächsten Besuch auf der Insel kann ich dann auch die passenden Perspektiven suchen und gezielt solche Fotos machen.

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Der Code wurde zusammengestellt anhand dieser Anleitung.

24. März 2016

Analoges Zubehör

Zu meiner neuen Kamera gehört jetzt auch eine passende kleine Tasche und analoges Zubehör, das für die Fotos, die ich geplant habe, unerlässlich ist.

Da wäre zum Einen ein Set mit vier analogen Filtern, die man direkt auf das Objektiv schraubt. Eigentlich sind mir nur zwei der vier Filter wichtig. Ein UV-Filter, der Grautöne eliminiert, wenn man zum Beispiel einen Sonnenuntergang fotografiert und die Sonne sich zum Teil hinter Wolken verbirgt. Dann entsteht meist so eine gelb/graues Gemisch. Das lässt sich mit diesem Filter zumindest teilweise verhindern. Der zweite Filter ist ein Polarisationsfilter, d.h. er ermöglicht die Betonung natürlicher Farben, wie etwa das Blau des Himmels oder das Grün einer Wiese. Alle Filter haben Innen- und Außengewinde. Man kann sie also miteinander kombinieren.

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Außerdem unerlässlich: ein Fernauslöser. Nicht, um Selfies mit Schärfentiefe zu erstellen, nein – der Fernauslöser ist für Fotos mit Stativ und langen Verschlusszeiten gedacht, etwa bei Aufnahmen in der Dämmerung. Da kann ein Druck auf den Auslöser an der Kamera selbst und die nachfolgende Vibration bereits Verwackelungen bewirken, die ein Bildstabilisator nicht mehr korrigieren kann.

Außerdem noch eine kleine Wasserwaage, die an dem Blitzschuh befestigt werden kann. Die ist für normale Aufnahmen nicht erforderlich, sondern hilft ebenfalls bei schlechten Lichtverhältnissen. Zusammen mit einer kleinen Taschenlampe lässt sich Kamera dann auch im Dunkeln, ohne Horizontlinie als Orientierung, vernünftig justieren. Praktisches Beispiel: ein Foto des Amrumer Leuchtturms bei fast vollendeter Dämmerung mit Sternenhimmel. Dieses analoge Zubehör hat zusammen übrigens keine 10,- EUR gekostet.

Und so richtig Spaß macht dann eine APP für das Tablet, die sich mit der Kamera per WiFi verbindet und mit der sich die Einstellungen am Tablet vornehmen lassen und die RAW Fotos direkt auf das Tablet laden kann. So kann man sehr präzise die Qualität der Fotos direkt vor Ort prüfen.

Für einen Theoretiker wie mich sind passende Anleitungen besonders wichtig. Ein umfangreiches Handbuch des Autors Michael Gradias, einem Sammler von Nikon Kameras und echtem Experten, liest sich sehr gut und hat bei mir schon so manchen Aha-Effekt bewirkt. Zwei Zeitschriften als Inspirationsquellen habe ich schon mehrfach gelesen. “Digitale Fotografie” gibt es zu verschiedenen Spezialthemen. Das Heft zu “Landschaften” ist so gut wie frei von Werbung (ausgenommen einige Produktests, die man als Werbung klassifizieren könnte) und liefert extrem viele grundsätzliche Informationen über das Ablichten von Landschaften.

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Für das Wochenende habe ich bereits eine kleine Tour geplant. Vielleicht gelingt mir schon die eine oder andere gute Aufnahme. Ich werde alsbald berichten … .

13. März 2016

Nikon D5300

Meine erste digitale Kamera hatte gerademal zwei Megapixel. Mit ihr habe ich die Fotos meines ersten Besuchs in den USA gemacht. Das war im Jahr 2002. Ihr achtfacher optischer Zoom war damals marktführend. Dann habe ich mich 2004 für den damaligen Marktführer entschieden – eine Panasonic Lumix, die die Funktionalität einer Spiegelreflexkamera hatte, bei der jedoch das Objektiv fest verbaut war. Sie hat Bilder mit 8 Megapixeln gemacht und hatte einen 12x optischen Zoom. Vor zwölf Jahren das Maß aller Dinge … .

Danach habe ich dann jahrelang eine Kompaktkamera von Sony gehabt. Die konnte 18 Megapixel und hatte einen 30x optischen Zoom. Nahezu alle meine Bilder von meiner Insel habe ich mit dieser Kamera gemacht. Diese Kamera ist unverwüstlich. Obwohl sie zwischendrin mal im feinen Sand Amrums gesteckt hat und sich nur noch knirschend ausschalten ließ, funktioniert sie weiterhin tadellos.

Aber irgendwie ging es nicht weiter. Kompaktkameras haben zwar oft den gleichen Bildsensor, wie Spiegelreflex oder Systemkameras, d.h. sie machen ganz sicher nicht die schlechteren Bilder – es geht vielmehr um das Drumherum, das Objektiv, das analoge Zubehör, von dem ich mir eine Verbesserung der Fotoqualität erhoffe. Ich frage mich halt, wie man in gewisse Bilder eine ganz spezielle Tiefe hineinbekommt. Dazu sollte man ein bisschen mehr ins Detail gehen, im wahrsten Sinne des Wortes. Klar reicht der Automatikmodus einer Kamera aus, um tolle Fotos zu machen, aber irgendwie bleiben diese Fotos oft eindimensional und geben eine Stimmung nur im 0815 Format wieder.

Sich von einem Automatikmodus zu verabschieden und selbst spezielle Einstellungen vorzunehmen ist nicht einfach – man muss erst die Theorie verstehen und dann praktisch umsetzen. Das ist auch einer der Gründe, warum der Beruf eines Fotografen nie aussterben wird. Ich habe mir erstmal vorgenommen, Fotos anhand einer gegebenen Situation in etwa so gut hinzubekommen, wie sie der Automatikmodus hinbekommen würde. Das ist für den Anfang Herausforderung genug.

Nikon D5300

Der Kauf einer Spiegelreflexkamera ist ja schon eine beträchtliche Investition. Und es gibt so viele Modelle, da habe ich Wochen gebraucht, um mir überhaupt einen Überblick zu verschaffen. Drei Kameras kamen schließlich in die engere Wahl. Aber warum überhaupt eine Spiegelreflex? Was ist mit den Systemkameras? Denen gehört die Zukunft, aber im Moment ist es so, dass ein einziger Anbieter diesen Markt dominiert. Das war in den Anfangstagen der digitalen Spiegelreflexkameras ähnlich. Dann veränderte sich der Markt und der dominierende Anbieter war nicht mehr der Standard. Wer sich dann mit Objektiven eingedeckt hatte, konnte diese an neueren Modellen nicht mehr verwenden. Ich habe rausgefunden, dass die Systemkameras irgendwann die Spiegelreflexkameras ablösen werden – im Moment ist der Markt aber noch nicht so breit aufgestellt, dass man wissen könnte, welches Zubehör auch in einigen Jahren noch etwas taugt. Mit “Systemkamera” meine ich digitale, modulare Kamerasysteme ohne Spiegelreflextechnik – das ist auch in der Regel gemeint, wenn man in Abgrenzung zu Spiegelreflexkameras von Systemkameras spricht. Die klassische Interpretation von Systemkamera meint schlicht ein modulares System mit austauschbaren Komponenten. In dieser Interpretation wäre auch eine Spiegelreflexkamera eine Systemkamera.

Standards gibt es dennoch. Man erkennt das an dem Rädchen oben auf der Kamera, mit dem sich die verschiedenen Aufnahmemodi einstellen lassen. Vergleiche ich meine Lumix mit meiner neuen Nikon, dann stellt man sehr leicht fest, dass sich die Standards auf 2004 auch im Jahr 2016 bei einem ganz anderen Hersteller wiederfinden. Und nicht nur dort. Auch die einfachen Kompaktkameras haben diese Aufteilung adaptiert. Die Programme für Zeitautomatik, Blendenautomatik, Vollautomatik etc. gab es damals schon. Natürlich sind die Möglichkeiten von heute unglaublich vielschichtig. Die Software in der Kamera erlaubt ein großes Maß an Kreativität. Am meisten beeindruckt natürlich der Umfang der Fotos in Größe und Möglichkeiten der Bearbeitungen im RAW Format. Machte die Lumix ein JPG in einer Größe von ca. 3.5 Megabyte pro Sekunde, so kann ich mit der Nikon 5-6 Bilder pro Sekunde als JPG mit 15 Megabyte und gleichzeitig ein RAW Bild mit 35 Megabyte machen. Das bedeutet, wenn ich eine entsprechend schnelle Speicherkarte habe, dass ich innerhalb von wenigen Sekunden Bildmaterial in einer Größenordnung von einem Gigabyte erzeuge. Pro Bild ca. 50 Megabyte sind bei fünf Bildern pro Sekunde 250 Megabyte, d.h. nach vier Sekunden sind 1 GB Speicher belegt. Natürlich mit Fotos in jeweils in größter Auflösung.

Einer der Gründe warum ich mich für die Nikon entschieden habe war das Objektiv, das mit verkauft wurde. Es ist nicht das Standardobjektiv mit einer recht bescheidenen Brennweite, sondern ein Objektiv, mit dem am schon sehr gut heranzoomen kann. Das lässt sich mit einer Kompaktkamera mit 14fach optischen Zoom vergleichen. Überhaupt ist das Thema Objektive und Brennweiten und Lichtstärken etwas, das ich noch nicht so ganz begriffen habe. Schön ist, dass es von Profis spezielle Handbücher genau zu dieser Kamera gibt – dort verschmelzen dann Theorie und Praxis miteinander. Im Moment lasse ich mich dann auch von verschiedenen Fachzeitschriften zur Naturfotographie inspirieren – in einer dieser Zeitschriften war jetzt ein Bericht über einen Fotografen, der die ganze Welt bereist und nichts anderes macht, als Leuchttürme zu fotografieren.

Neben der Nikon D5300 hatte ich die Canon EOS750D und die Sony Alpha 68 im Auge. Ausschlaggebend war für mich der Preis der Nikon in Verbindung mit einem ordentlichen Objektiv. Der lag dann doch deutlich unter dem Preis der beiden anderen. Die Bildqualität ist bei allen drei Kameras in etwa gleich gut. Die Nikon D5300 ist nicht ganz so schnell im Serienbild – aber das ist für mich eh nicht wichtig.

Naja, jedenfalls wird es auf www.killert.de in Zukunft viele Einträge zum Thema Naturfotografie geben. Anhand praktischer Ergebnisse dokumentiere ich hier meinen Lernfortschritt. Ich bin jetzt das, was man einen “ambitionierten Hobbyfotografen” nennt … . Im Mai auf Amrum gibt es dann hoffentlich schon die ersten richtig brauchbaren Ergebnisse.