20. Dezember 2014

Markdown

Der Mythos, dass der Mac-User an sich kreativ sei, gründet sich auf eine mindestens 20 Jahre alte Verbindung zwischen Apple und Adobe - Adobe hatte einst das Bildbearbeitungs-Schlachtschiff Photoshop vornehmlich für den Mac entwickelt. Einige andere Kreativanwendungen spielten dabei ebenfalls eine wichtige Rolle.

Natürlich gibt es auch auf dem PC die Möglichkeit, kreativ zu sein und die passende Software dafür. Ein Mythos ist deswegen ein Mythos, weil er nach einer gewissen Zeit von der Realität überholt wird und sich in der Vergangenheit eingenistet hat. Dass Mac-User kreativ seien und Windows-User nicht, ist heutzutage Unsinn.

Mehr noch: dieser Mythos nährt einen Großteil des Umsatzes im AppStore für den Mac. Es gibt unzählige Programme, die angeblich der Kreativität entgegenkommen, mit denen sich Dinge erledigen lassen („GTD“ - Getting Things Done ist gar ein eigene Softwarerubrik) und die den Mythos des Kreativen in die Gegenwart holen. Höhepunkt sind diese sogenannten „Unkonferenzen“ (Barcamps), bei denen man schlicht als kreativ erscheint, wenn man nur mit einem Apfel-Rechner auf dem Schoß herumsitzt und ein wenig twittert. Mit Substanz hat das nicht viel zu tun.

Es gibt aber Ausnahmen. Manchmal entwickeln sich aus den vielen oberflächlichen Elementen bleibende Dinge, die sich im Computeralltag etablieren. Der „Hyperlink“ von Barners-Lee, den viele Menschen zunächst einfach nur als nützlich in ihren Computeralltag integriert haben oder der Versuch, mit dem PDF Format eine Standarddarstellung für alle Computerplattformen zu erreichen - nur zwei Beispiele. Beides nicht mehr wegzudenken.

Insbesondere auf dem Mac vollzieht sich derzeit wieder so ein Paradigmenwechsel. Das Zauberwort nennt sich „Markdown“ und folgt einem einfachen, aber genialen Prinzip. „Markdown“ kehrt die Logik von „Markup“ Languages um. HTML, LaTex, RTF, PDF - alles Formate, die einen Inhalt beschreiben und in umschliessenden Tags die Form des Inhaltes beschreiben.

Beispiel: Dieser Text ist kursiv.

Umsetzung per HTML ist: Dieser Text ist <i>kursiv</i>.
Umsetzung per LaTex: Dieser Text ist\textit{kursiv}.
Umsetzung per RTF: Dieser Text ist \i kursiv \i0.
usw.

In allen Fällen existiert eine Syntax, die festlegt, wie ein Text formatiert werden soll. „Markdown“ legt nun eine sehr einfach, übergeordnete Syntax fest, aus der sich dann in die verschiedenen Formate, die ja alle das gleiche Prinzip nutzen, exportiert werden können. Für das obige Beispiel bedeutet das:

Dieser Text ist *kursiv*

In einem Markdown-Text setzt man einfach ein Sternchen vor und hinter das Wort, welches kursiv formatiert werden soll. Zwei Sterne würden bedeuten, der Text ist fett. Drei bedeuten fett+kursiv.
So gibt es für sämtliche Standardformatierungen einfache syntaktische Normen, die es möglich machen, einen Text flüssig herunter zu schreiben und gleichzeitig zu formatieren.

Eine Raute kennzeichnet zum Beispiel eine Überschrift 1. Ebene. Zwei Rauten eine Überschrift 2. Ebene usw. - selbst Tabellen und Fussnoten, das Einbinden von Bildern und Links, sind ohne großen Aufwand mit Markdown möglich.



Das Standardausgabeformat ist HTML. Und das hat einen besonderen Grund. Hängt man an die Ausgabedatei eine CSS Datei, dann lässt sich das Layout beliebig verändern.

Der nachfolgende Screenshots zeigt denselben Text - einziger Unterschied ist ein Mausklick, bei dem einfach eine andere CSS Datei ausgewählt wurde. In diesem Fall über die Anwendung „Marked 2“, mit der sich Markdown-Dateien in einem Echtzeit-Preview ansehen und in viele Formate exportieren lassen:

Derselbe Text - Die Formatierung wird einfach per Mausklick durch CSS verändert.

Was ist nun der Vorteil von „Markdown“? Für Menschen, die viel schreiben ist das sogenannte „Distraction-Free-Writing“ von essentieller Bedeutung. Es gibt zahlreiche Anwendungen, die dieses störungsfreie Schreiben ermöglichen (darüber in Kürze ein ausführlicher Artikel). Diese Art von Anwendungen, die alle Fensterdekorationen und Menues ausblenden, gibt es schon lange. Eines hat mich dabei aber immer gestört: ich kann keine einfachen Formatierungen einfügen. Eine Gliederung, eine Betonung, eine Aufzählung - das sind Dinge, die man auch ab und an beim Runterschreiben von Prosatexten benötigt. Es ist schlicht lästig wegen solchen Formatierungen nochmal den Text durchzugehen. Beim Lesen des eigenen Textes möchte man sich nicht um Formatierugen kümmern müssen. Dieses Manko ist mit Markdown abgestellt.

Außerdem ist genau dieses strukturierte Runterschreiben dann auch auf Tablets möglich. Es gibt mittlerweile einige sehr gute Editoren, die Texte nahtlos mit Dropbox synchronisieren. Mal eben einen Absatz in einer gerade zu schreibenden Erzählung von unterwegs hinzufügen - kein Problem. Zumal diese Editoren keinen Platz mit Formatierungsleisten etc. wegnehmen.

Auf dem Mac hat sich dieses Konzept mittlerweile durchgesetzt. Die ersten größeren Editoren (z.B. „Ulysses“) erlauben auch einen sehr guten ePub-Export, der nahezu fehlerfrei funktioniert. Selbst Clients für Blogger („Marsedit“ oder „Desk“) erlauben ein Schreiben in Markdown und mit dem Upload auf den Blog wird Markdown in sauberes HTML umgewandelt.

In Kürze schreibe ich noch mehr zu dem Thema. Der Workflow eines Autors ist ein spannendes Thema. Es gibt so viele Eindrücke, die man früher auf Papier festgehalten und dann nie wieder angesehen hat. In den letzten zwei Jahren zeigt sich jedoch, dass sich einiges tut, um diesen Workflow zu optimieren. Markdown ist dabei ein ganz wichtiger Baustein.

Alle Infos zu Markdown bei Wikipedia.